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Natural – Horsemanship, was ist das eigentlich?

Es ist die Bezeichnung einer Philosophie des Umgangs mit dem Pferd auf der Basis seiner natürlichen Art, seines Wesens als Fluchttier, seiner ‚Gedanken’ – und Gefühlswelt. Eigentlich ist diese Methode (sofern man von einer solchen überhaupt sprechen kann) schon sehr alt und fand seine (westlichen, uns bekannten) Ursprünge bei den Pawnee und den Nez Perce Indianern.

Die ‚weißen’  Ursprünge lassen sich auf einen Mann namens Tom Dorrance bis zum Anfang des letzten Jahrhunderts zurückführen.

Als der inzwischen leider verstorbene weiße Urvater dieser Philosophie  einmal gefragt wurde, was er in einem Pferd sähe, antwortete der alte Mann:

  „Ich sehe ein Pferd“, und er schüttelte ungläubig den Kopf über diese Frage. Seine Antwort aber schien dem Frager zu einfach, zu allgemein, und der setzte nach:

„Also wenn es ein Pferd ist, was Du siehst, was macht dieses Pferd zu etwas Besonderem“? 

„Das es ein Pferd ist“,  antwortet der Alte. 

 Der Frager dreht verzweifelt ab. Genauso verzweifelt ist Tom.

„Sehen Sie, ich kann diese Aussage um nichts verbessern."

Die Menschen betrachten diese herrlichen Tiere meist unter ihrem, menschlichen und angeblich ‚logischen’  Blickwinkel. Wo drin aber liegt die ‚Logik’, ein völlig anderes Wesen unter unseren Gesichtspunkten zu betrachten? Und dementsprechend zu behandeln?  Entweder wie ein kleines Kuschelstofftier oder wie einen großen, gefährlichen Gegner? Oder gar wie einen widerspenstigen Teenager,  dem ab und zu mal die Leviten gelesen’  werden müssen? In diesem Fall mit Peitschen, Sporen, Gerten, scharfen Gebissen u. ä.?

 

„Eine Riesenrespektlosigkeit vor der Natur des Pferdes  meint Jürgen Menzel, einer der profilierten  natural- horsemanship  Trainer in Deutschland, der in der Tradition Tom Dorrance lehrt und arbeitet. 

Doch    „Vorsicht, Vorsicht,“  mahnt er an, darauf angesprochen.

„Diesen Mann werde ich in seiner Kunst nie erreichen, nicht in hundert Jahren. Tom war einzigartig und wird es wohl immer bleiben“.  

 Jürgen Menzel lehrt den Umgang mit dem Pferd auf der Basis von gegenseitigem Respekt, Vertrauen und der Einstellung, der „Primus inter paris  (Erster unter Gleichen)  in einer von Harmonie und williger Zusammenarbeit geprägten Beziehung zu sein. Und dem fundierten Wissen über die Natur des Pferdes, seinen ganz eigenen, Millionen Jahre alten Instinkten und Verhaltensweisen, die sich selbst in der jahrtausende alten Geschichte der Domestizierung nicht verändert haben.

   Jürgen Menzel

Er verweist dabei immer wieder gerne auch auf Ergebnisse wissenschaftlicher Verhaltensforschung hin, in denen z. B. bewiesen wurde, dass sich domestizierte Pferde, die in eine Herde wilder Pferde entlassen wurden, innerhalb weniger Stunden wieder genau wie Wildpferde benahmen. So als wäre der Mensch nie da gewesen. Was nur heißen kann, Pferde sind so schlau, dass sie sich nur unter Ausnutzung ihrer Überlebensinstinkte unserer Welt und uns anpassen.

 

Aber können und sollten wir uns auch   ihrer Welt   anpassen?

 „Im Sinne eines Respekts vor der Natur und im Sinne eines harmonischen und vertrauensvollen Miteinanders und, vor Allem, wenn wir es mit der sogenannten  ‚Liebe zu dem Tier’  Ernst meinen: unbedingt JA“, meint der Horsemanship - Trainer. 

 „Zumindest so weit es überhaupt geht. Ganz werden wir natürlich nie in deren Welt eintauchen können. Vieles könnten wir aber sehr viel besser verstehen, wenn wir ihnen nur mal ‚zuhören’  würden, wenn wir sie nicht nur betrachten, sondern sie mit offenen Augen beobachten würden.  Und uns dementsprechend ihnen gegenüber verhalten. Das würde eine Menge kleinerer Probleme bereits im Vorfeld bereinigen, bevor sie sich zu größeren oder gar ganz großen ausgewachsen haben. Denn Pferde erzählen uns immer und überall, was sie gerade denken und fühlen, ob sie sauer sind, oder unsicher, oder ängstlich oder sich wohl fühlen. Und das Beste daran ist: sie lügen nie!!  Sie haben nämlich gar kein Konzept von Lüge, dem Vorspielen falscher Tatsachen, dem Schönreden von Dingen. Nur leider hören wir ihnen nicht immer zu, wissen meist gar nicht, WAS sie uns sagen wollen. Bzw. es interessiert uns nicht. Wir wollen schließlich, dass sie einfach parieren und allen Scheiß mitmachen, den wir von ihnen verlangen. Und zwar egal, WIE wir es von ihnen verlangen.

 Jürgen Menzel lehrt, was natürliches Pferdeverhalten ist, wie es sich äußert, und wie wir Menschen anhand seiner Mimik, Gestik, Muskelspannung, Atemrhythmus und Verhalten genau erkennen können, was uns ein Pferd erzählt. Ob in der Herde, in der Reithalle mit uns, vom Boden aus oder geritten werdend:

sie kommunizieren ständig. Laufen aber bei uns Menschen dabei fast ständig gegen eine Wand aus Unverständnis und Ignoranz. Jürgen Menzel möchte diese Wand durch-brechen. Und wer einmal mit ihm gearbeitet, einen Kurs bei ihm gemacht hat oder ihn bei seinen seltenen Demonstrationen und Showvorstellungen beobachten konnte, ist verblüfft, wie schnell hier Wände bröckeln. Vor Allem zwischen ihm und den Pferden.

 

Dabei sonnt sich Jürgen Menzel keinesfalls im Beifall der Zuschauer. Er wird im Gegenteil nie müde, immer wieder darauf hinzuweisen, dass er, bekommt er vom Pferd nicht das erwünschte Ergebnis (dass er völlig ohne jegliche Gewalteinwirkung oder auch nur schiere Androhung einer Strafe erzielen will), einen Fehler gemacht hat.

 „Wenn ich beim Pferd nicht das gewünschte Ergebnis erziele  -natürlich immer unter der Voraussetzung, das Pferd ist überhaupt dazu in der Lage-  dann ist das Pferd entweder gar nicht bereit, mit mir zu arbeiten, oder noch nicht, oder ich habe meine Wünsche völlig falsch ausgedrückt, so dass das Pferd sie gar nicht verstehen konnte. Bekomme ich also eine ‚falsche’ Antwort,  habe ICH schlicht und ergreifend falsch gefragt. Entweder mich unklar oder gar ganz falsch ausgedrückt oder mit völliger Respektlosigkeit seiner Natur und seiner momentanen Verfassung gegenüber. Basta!! 

Pferde können keine Fehler in der Kommunikation machen. Wir dagegen sind ja, trotz eines Riesenwortschatzes, oft nicht mal in der Lage,  stressfrei mit unseren Mitmenschen zu kommunizieren. Bei Pferden allerdings sind wir der felsenfesten Überzeugung, sie müssten uns klar und deutlich verstehen. Und wenn sie dann nicht so wollen wie wir es ihnen vermeintlich gesagt haben, gibt’s was auf die Mütze. Oder die Sporen, oder die Gerte oder ein schärferes Gebiss oder sonst irgendwas Bösartiges. Oder wir geben frustriert auf. Oder rennen von einem Trainer zum nächsten. Die natürlich alle erklären, sie haben die ‚Wunderwaffe’  oder den magischen Knopf für jedes Problem. Leider kommen die wenigsten Menschen auf den Gedanken, den Fehler bei sich zu suchen. Dabei wäre das der einfachste und billigste Weg“.

 

 

Erste Spielstunde einer Frau, die vorher NIE ein Pferd berührt und eigentlich Angst vor ihnen hatte. Bis sie Jürgen und seinem Andalusierhengst Bucanero begegnete.  

ZUR NACHAHMUNG NICHT EMPFOHLEN !!!

Solche  ‚stunts’, noch dazu auf einem Zirkuspodest,  sollten nur von gewieften Trainern mit exzellent erzogenen und ausgebildeten Pferden gemacht werden !!!

Kommen Sie ruhig einmal auf die Drover’s Ranch und schauen Sie zu, wenn Jürgen Menzel mit Pferden und Menschen arbeitet. Er hat nichts dagegen. Und nimmt auch keine ‚Geheimnisse’ mit nach Hause, wie so viele andere. Damit die Leute wieder und wieder und wieder kommen und bezahlen. Wir wetten, dass sie gerade deshalb wieder kommen, vielleicht sogar mit ihrem Pferd (??) und Unterricht nehmen wollen, vielleicht sogar einen 2-Tages-Kurs mitmachen. Gerade weil sie gar nicht genug bekommen können von dem Wissen, was dieser horseman bereitwillig mit Ihnen zu teilen bereit ist.

 

 Jürgen Menzel verbringt fast jedes Jahr eine Zeit von Tagen oder Wochen unter Wildpferden, um von ihnen noch mehr zu lernen und sich weiter von ihnen über ihre Kommunikationstechniken und ihr Verhalten ausbilden zu lassen. Hier wurde er von einer Herde zur Siesta zwischen ihren Fohlen  eingeladen.  

 ZUR NACHAHMUNG NICHT EMPFOHLEN !!!!!   Selbst bei der eher unwahrscheinlich auftretenden Gelegenheit!!! 

 Es erfordert eine geraume Zeit (manchmal Tage), bis man akzeptiert wird als ‚Nachbar’.  Und selbst dann muß man warten, bis man abgeholt und eingeladen wird. Die Zeichen der Akzeptanz muss man sehr gut deuten können. Versucht man das von sich aus zu erreichen, kann man sehr schnell sein blaues Wunder erleben. Dass die Wildlinge sich dann eher vom Menschen entfernen, ist noch die ‚günstigste’  Verhaltensweise. Wildlinge neigen dazu, ihre Aufzucht mit der ganzen Gruppe zu verteidigen.